Wahnsinnige Wurzeln

Unerwartet umgekehrter Zwergwuchs. Verblüffende Beispiele für enormes Wurzelwachstum.

Wie weit muß man von einer Hauswand wegpflanzen, damit sie nicht durch Wurzeln beschädigt wird?

Gartenarbeiten: Wurzel einer Muschelzypresse Gartenarbeiten: Wurzel neben einer Gasleitung Gartenarbeiten: entfernte Muschelzypresse

Das werden wir am Schluß beantworten. Bisweilen werden aber Gewächse verkauft, von denen es heißt, sie seien langsamwachsend oder kleinbleibend. Dieses Versprechen ist richtig, aber relativ und mit Vorsicht zu genießen. Auch einige langsamwachsende Exemplare können über die Zeit riesige Bäume werden und was die Wurzel anbetrifft wird damit keinerlei Aussage getroffen.

Zwei außergewöhnliche Beispiele zeigen Ihnen, daß manchmal seltsame Dinge passieren können. Beides sind zwar Ausnahmefälle, doch sie belegen eindrucksvoll, daß bei Pflanzanweisungen das Wurzelwachstum nicht vergessen werden darf. Die Frage also, in welcher Entfernung man beispielsweise eine Muschelzypresse von Mauerwerk oder Pflasterflächen pflanzen muß, ist nicht pauschal zu beantworten.

Der erste Fall war eine Muschelzypresse von etwa 3,00 Meter Höhe. Ein eher durchschnittliches Exemplar, doch die Überraschung steckte im Boden. Bei einem geschätzten Alter von etwa 15 Jahren hatte sie eine gigantische Wurzel ausgebildet. Um etwas neues pflanzen zu können, sollte sie schnell mal ausgegraben werden. Was die Besitzerin aber vorher nicht wußte, ist daß der Aufwand doppelt sinnvoll war. Denn im Hintergrund, an dem grauen Natursteinsockel erkennen Sie einen gelben Punkt. Und dieser markiert exakt die Stelle im Boden, an der die Gasleitung ins Haus läuft. Noch ein paar Jahre ungehindertes Wachstum der Muschelzypresse und es hätte zur "Kostenexplosion" kommen können.

Gartenarbeiten: Wurzel einer Konifere Gartenarbeiten: gekappte senkrechte Pfahlwurzel Gartenarbeiten: improvisiertes Pflaster

Beispiel zwei ist ebenfalls eine Konifere. Möglicherweise eine Thuja oder Scheinzypresse. Näheres war aber nicht herauszubekommen, weil ein freundlicher Nachbar den Baum noch vor unserem Erscheinen gefällt hatte. Unglücklicherweise ohne Sachverstand, denn er hatte den Stamm so tief abgesägt, daß man ihn nicht mehr als Hebel zum Herausziehen der Wurzel benutzen konnte. Selbst mit einem 3,5 Tonnen Kleinlaster konnten wir sie nicht mal lockern.

Das gehobene Pflaster mußte also entfernt, und die Wurzel weiträumig umgraben werden, damit überhaupt mit einer Motorsäge gearbeitet werden kann. Danach wurde unter Vernichtung mehrerer Sägeketten die senkrechte Pfahlwurzel gekappt. Da diese Art Pflaster nicht mehr nachzukaufen war, mußte improvisiert werden. Nach einhelliger Meinung des Publikums war es aber auch die schönere Lösung.

Wie lautet also die Antwort auf die obige Frage?
Als allgemeiner Anhalt gilt, daß der Wurzelbereich bei fast allen Bäumen nicht größer wird, als der Kronendurchmesser (bei ungehindertem Wachstum). Ausgenommen sind dabei die wenigen Laubbäume, die Wurzelausläufer, und damit neue Bäume bilden können (siehe Artikel Flieder oder Gartenantwort Was kann ich gegen Wurzeltriebe einer Goldulme tun?).
Koniferen, sprich Nadelbäume, haben diese Fähigkeit nicht. Bei denen ist aber darauf zu achten, daß sie auch nach mehreren Jahren noch genügend Licht bekommen. Nicht nur eine Muschelzypresse, im Abstand zur Hauswand, wie in den obigen Bilder hat dort nichts zu suchen. Ab einem gewissen Durchmesser verkahlt die Rückseite automatisch, weil sie immer näher an die Mauer wächst und dadurch irgendwann überhaupt kein Licht mehr bekommt. Ebenso wird eine Konifere auf der schattigen Nordseite eines Hauses zwar symmetrisch, aber eher kümmerlich wachsen.