Was ist Kalkdünger?

Sogenannter Kalkdünger ist ein Bodenhilfsstoff, kein direkter Nährstofflieferant. Wir erklären die Zusammenhänge.

Habe ein Grundstück mit sehr scharfem Sandboden (gelber Flugsand m. 20 cm Mutterboden). Die Pflanzgruben für meine Rosen habe ich mit Erde-Kompost-Gemisch im letzten Jahr aufgewertet und dann Rosen gepflanzt. Wäre es sinnvoll, zur nachhaltigen Nährstoffversorgung Hornspäne zur Stickstoffversorgung und Muschelgrit zur Kalkversorgung aufzubringen, in Form einer Mulchschicht? Der Boden trocknet sehr schnell aus. Ich habe mir überlegt, dass eine solche Schicht die Verdunstung bremsen müsste, da der weiße Grit die Sonne reflektiert. Oder werden die Nährstoffe zu schnell freigesetzt? Kann Muschelgrit Eisenmangel bei Rosen auslösen? Oder sind die Bodenbakterien überhaupt in der Lage, Grit aufzuschließen?

Gapt Gartenberater:

Sogenannter Kalkdünger Mit jeder Gartenfrage lernen wir etwas dazu, denn das Wort 'Muschelgrit' mussten wir erst mal nachrecherchieren. Und was wir auch prima finden, ist dass Sie eigene Ideen entwickeln, das ist selten! Deshalb werde ich mit Freuden Ihre Frage sofort und ausführlich beantworten :-)

In der Theorie funktioniert Ihr Gedanke auch, aber nicht in der Praxis- denn was Sie wahrscheinlich noch nicht wissen ist, dass Gartenkalk hauptsächlich dazu dient, den Boden zu "neutralisieren". Also vom sauren in den eher alkalischen Bereich des PH-Wertes zu bringen. Meist wird er verwendet, um vermoosten Rasen wieder hübsch zu kriegen, weil Moos sauren Boden liebt, Gras aber das Gegenteil. Kalzium, also Kalk ist aber eher untergeordnet, in der Hierarchie der Nährstoffe und sorgt nur in geringem Maß für ein optimales Pflanzenwachstum. Kalk ist ein Bodenhilfsstoff, der die Nährstoffaufnahme verbessert, mehr ist es nicht. Im Übermaß ist er sogar schädlich für ein fruchtbares Bodenmillieu. Die Unterschiede zwischen Kohlensaurem Kalk, gelöschtem Kalk, gebranntem Kalk, Kalkhydrat und anderen Bezeichnungen erspare ich Ihnen an dieser Stelle.

Nächster Punkt, für Ihre gärtnerische Ausbildung; Die Sonne hat (so gut wie) überhaupt nichts mit der Verdunstung aus dem Boden zu tun. Es sind allein die Kapillarkräfte. Diese leiten die Feuchtigkeit nach oben, wo sie von der LUFT verdunstet werden. Und je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Die Sonne sorgt also nur für schnellere Verdunstung, weil sie die Luft an der Oberfläche erwärmt und hat ursächlich gar keine andere Wirkung.

Nun kommen wir zu Ihrem eigentlichen Problem, und das werden Sie mit keiner Maßnahme an der Oberfläche stoppen können. Denn weil Ihr Boden locker und sandig ist, können gar keine Kapillarkräfte entstehen. Stattdessen versickert das Wasser ungehindert nach unten. So lange Sie also keine wasserdichte Sperrschicht, tief im Boden, nach unten installiert haben wird sich niemals etwas ändern. Sie werden weiter enorme Mengen gießen müssen, bis Sie entweder den gesamten Gartenboden abgetragen haben und in 1 Meter Tiefe Teichfolie ausgelegt, oder in gleicher Tiefe den Grund durch pappigen Mutterboden ersetzt haben.

Falls Sie vorgeschlagene Maßnahme Nummer 1 jemals durchführen, lassen Sie es uns bitte wissen- denn das ist eine noch geheime Möglichkeit um komplette Wüsten zu begrünen. Ihre Gartenfrage hat mir sehr viel Spaß gemacht, dankeschön ! :-)