Schlafmohn - Papaver Somniferum

Opium für das Volk! Oder eine freudige Wiederentdeckung des Schlafmohns in Deutschland.

Zierpflanzenbeet mit Schlafmohn mitten in der StadtDie Samen des Schlafmohns befinden sich auf jedem Mohnbrötchen. In Deutschland ist diese uralte Kulturpflanze jedoch nahezu ausgerottet. Aber eben nur beinahe, denn ein zufälliger Fund erfreut das Herz von Gärtnern und Naturfreunden. Deshalb hier ein erstaunliches Pflanzenportrait.

Schlafmohn heißt auf Latein "Papaver Somniferum". Was in etwa bedeutet: "Echter Schlafbrei". Warum heißt er so? Weil noch bis vor wenigen Jahrzehnten die Mütter ihren Zöglingen den Milchsaft des Schlafmohns in den Brei gemischt haben, damit sie die Nacht durchschlafen- auch überall in Europa! Diese Geheimwaffe für entspannte Eltern ist jedoch leider verloren gegangen, seitdem die Heilpflanze von staatlicher Seite geächtet worden ist.

Deshalb freut es um so mehr, dass der Schlafmohn wieder auf dem Vormarsch ist... und zwar witzigerweise von staatlicher Seite, weil eines der Fotos ein öffentliches Beet zeigt. Denn so gut wie niemand erkennt heutzutage noch die hübsche Pflanze, weswegen mich beim Anblick ein höchst amüsiertes Kichern durchfuhr. Es ist nämlich gesetzlich verboten Schlafmohn anzubauen.

Mohn als Zierpflanze

Typische Blütenfarbe des Schlafmohns reife Kapsel des Schlafmohns Samenkapseln des Schlafmohns

Die Sorten, die in Gärtnereien und Baumschulen verkauft werden, haben überhaupt keinen Anteil an narkotischen oder berauschenden Substanzen. Man kann es sich also sparen die Samenkapseln eines Ziermohns anzuritzen um Roh-Opium zu gewinnen. Denn so macht man das normalerweise, wenn man daraus in weiteren Verarbeitungsschritten Heroin produzieren will. Nur wer will das schon, außer Junkies und Drogenbaronen? Wir wollen Augenweide, Deko-Material und Mohnbrötchen :-)

Verwendung des Schlafmohns

Sowohl der nette Anblick, als auch die schmackhaften Mohnsamen reichen schon als Grund den Schlafmohn eben nicht zu vernichten, wenn man ihn erkennt. Außerdem sind die dicken Samenkapseln wunderschön, selbst wenn sie reif und trocken geworden sind. Sie werden deshalb auch gern in der Floristik verwendet. Die Samenkapseln werden nämliche knüppelhart und ein großes Exemplar wäre sogar dazu geeignet einen kultigen Salzstreuer daraus zu bauen. Denn rüttelt man an einer vollreifen Mohnkapsel, rasseln die Samen darin. Und dreht man die Oberseite nach unten rieseln die Samen - genau wie bei einem Salzstreuer- heraus. Sich den Spaß zu gönnen eine städtische Opiumplantage abzuernten, das haben wir uns dann doch nicht getraut. Weswegen diese verrückte Bastelei leider ausfallen musste.

Plädoyer für Schlafmohn & Co

Einstmals in ganz Deutschland beheimatet findet man ihn nur noch extrem selten. Etwa auf Brachwiesen und ungenutzten Feldern. Er erlitt das gleiche Schicksal wie der Hanf, der ebenfalls bis vor wenigen Jahrzehnten überall wuchs. Es war eine der wichtigsten Pflanzen für die Gewebe- und Seilherstellung in der Landwirtschaft. Aber auch hiervon gibt es noch versteckte Wildbestände, die die Schwachsinnsannahme überlebt haben, dass sich jeder mit allem wegdröhnen will. Stattdessen hätten beide Pflanzen, hätte man nicht versucht sie auszurotten, vielleicht einen tieferen Sinn gehabt. Nämlich "Invasive Neophyten" wie Ambrosia oder Japanischen Knöterich zu verhindern. Denn ist ein spezieller Standort von heimischen Pflanzen mit gleichen Ansprüchen besetzt, wird sich eine fremde Art nicht explosionsartig ausbreiten.