Portionierlöffel aus Bambus

Bambus-Biegetest... oder was man Tolles mit diesem Wissen anfangen kann. Wir basteln jetzt einen kultigen Portionierlöffel.

Aus Bambus kann man sich eine komplette Küchenausstattung selber machen. Von der Sushi-Matte bis zum Schneebesen. Und das liegt an den vielseitigen Materialeigenschaften des Bambus. Hier machen wir uns erst mal mit dem Material bekannt und bauen etwas Einfacheres. Einen hübschen Portionierlöffel für Kaffee, Tee oder Sonstwas, das in Pulverform vorliegt.

Bambuslöffel basteln. So funktioniert's

Rohmaterial Bambuslöffel Wachstumsknoten für Löffelkorpus

Zunächst brauchen wir dafür ein Stück Bambusrohr von etwa 3 bis 5cm Durchmesser. Die natürlichen Wachstumsknoten trennen durch eine stabile Membran die einzelnen Rohrsegmente. Und das machen wir uns zunutze, denn wir brauchen ja nur ein Stück abzusägen und haben schon einen Löffelkorpus. Als wären sie dafür gemacht, besitzen diese Wachstumsknoten Ansätze von Seitentrieben- und diese eigenen sich hervorragend um den Löffelstiel zu fixieren. Man bohre einfache ein Loch hinein und schon ist der Anschluss fertig.

Stiel beim Bambuslöffel einfügen

Was wir jetzt noch brauchen ist natürlich ein Löffelstiel. Der könnte natürlich auch einfach gerade sein, wir aber haben hübsche Experimente versprochen. Also machen wir ein bisschen Firlefanz für die Optik;
Wie in diesem Artikel spaltet man sich ein schmales Stück Bambus ab, in etwa 25cm Länge. Danach wird die Spitze passgenau auf das gebohrte Loch zugeschnitten, sodass es fest sitzt. Da der Stiel flach ist und die Bohrung rund, werden wir später den Rest mit Leim ausfüllen- aber so weit ist es noch nicht, vorher kommt der Biegetest.

Bambus ohne Brechen biegen? Kein Problem.

Bambus einweichen Bohrloch

Nun folgt der Trick, der den Bambus zu einem universellen Material macht. Denn je frischer er ist, desto besser lässt er sich biegen. Man braucht aber gar keinen frischen Bambus, sondern nur welchen, der nie länger der Witterung ausgesetzt war. Dieser wird sonst spröde, normal getrockneter Bambus aber nicht. Man muss Letzteren lediglich in Wasser legen, bis er sich komplett braun gefärbt hat. Dann wird er wieder geschmeidig und kann um bis zu 180° gebogen, oder sogar geknickt werden ohne zu brechen. Was da dann bräche ist nur die äußere Silikatschicht, das innere Mark bleibt unversehrt. Und übrigens: Die knüppelharte Silikatschicht muss bei der Biegung nach Außen, denn stauchen lässt sie sich nicht. Beschleunigen kann man das Einweichen, indem man heißes oder gar kochendes Wasser nimmt. Auch andere Hölzer können ebenfalls durch das sogenannte "Dampfbiegen" verformt werden. Wie stark hängt von der Sorte ab.

Magisches Löffelbiegen mit Bambus

Gespaltene Abschnitte aus Bambus können natürlich unterschiedliche Dicke haben, denn die innere Markschicht wächst proportional zum Umfang. Lässt sich unser Rohling trotz Einweichen nur schwer biegen, verwenden wir einen zweiten Trick. Mit einem stinknormalen Kartoffelschäler lässt sich die Markschicht sehr einfach reduzieren. Das geht zwar auch in trockenem Zustand, nass ist es jedoch ein Kinderspiel.
Nachdem wir also unseren Löffelstiel in Form gebracht haben, muss er irgendwie fixiert werden. Wichtig ist dabei zu wissen, dass ein derartiges Bambusobjekt genau so durchtrocknen muss, sonst schnurrt es wieder auseinander. Auf die Heizung gelegt oder schonend im Umluftofen gegart, verkürzt sich die Wartezeit jedoch enorm.

Tee-Löffel aus Bambus selbstgemacht. Das Finale.

Bambuslöffel: eingeleimter Stiel Wicklung aus wasserfestem Garn

Inzwischen haben wir uns noch etwas für die Ästhetik überlegt und noch ein Stück Rohr abgesägt. Dieses haben wir ebenfalls in Wasser eingelegt und so verformt, dass ein Oval entstand. Da passt genau ein Finger durch, und damit könnte man den Löffel auch irgendwo aufhängen. Also beides durchaus sinnvoll und auch hübsch wie sich gleich zeigen wird.

Nun verkleben wir den Löffelstiel mit wasserfestem Leim und kommen damit langsam zu einem richtig kultigen Finish. "Was macht Asia-Optik aus?" haben wir uns gefragt, und das Ergebnis ist zweifellos; Bambus und Seide ! ... in Ermangelung von echter Seide nahmen wir also einen wasserfesten (!) Faden und umwickelten sowohl die Ansatzstelle der Verleimung, als auch die Grifffläche. Aber warum soll der Faden unbedingt wasserfest sein? Natürlich, damit man den Löffel auch mal spülen kann!

Sieht aus wie ein Original für eine japanische Tee-Zeremonie, oder?! Der einzige Unterschied ist, dass es so eine Löffelkonstuktion noch nie gab ;-)