Obstschale aus altem Tannenbaum basteln

Wie kann man einen alten Christbaum upcyceln? Ein komisches Modewort, aber wir zeigen Ihnen wie es geht. Diesmal gestalten wir eine wunderhübsche Obstschale aus einem weggeworfenen Weihnachtsbaum.

Ein entsorgter Tannenbaum ist komplett verwertbar und das werden wir beweisen. Wenn man es übertreiben möchte, muss nichts davon übrig bleiben, außer ein paar Nadeln. Und da wir dazu neigen, filetieren wir nun erst mal die zweite Etage des Tannenbaums aus einem vorangegangenen Artikel (Küchenquirl aus Weihnachtsbaum). Danach folgen noch weitere Basteleien, denn die meisten Leute interessiert wohl, was man mit dem feinen Tannengrün anfangen kann- aber so weit sind wir noch nicht.

Obstschale aus Weihnachtsbaum

Einen alten Weihnachtsbaum komplett wiederverwerten.

Was man dazu braucht, ist natürlich ein Tannenbaum, sowie wasserfesten Leim und etwa 75 Meter Seil aus Naturfasern. Unseres ist eines aus Sisal, was noch weitere Vorteile birgt, wie man später sehen wird. Darüber hinaus ist auch dieses wiederverwertet worden. Es stammt nämlich aus dem Mülleimer eines Schrebergartens und war völlig dreckig und verpilzt. Das störte uns nicht, denn es verbrachte eine Nacht in verdünntem Abflussreiniger und war danach wieder blütenrein ;-)
Was es noch für diese Bastelanleitung braucht ist viel Geduld und einen dünnen Bohrer. Ansonsten verfügt jeder normale Haushalt über die restlichen Utensilien, wie Schere, Bindfaden und warmes Wasser.

Christbaum verbasteln. Die ersten Schritte.

Spindel dient als Flechtgerüst Form in heißem Wasser biegen

Zunächst sägen wir uns einen stabile Astkranz des Tannenbaums ab. Diese bildet unser spindelförmiges Gerüst, damit wir das Seil drumherum flechten können. Damit uns das nachher leichter fällt, lassen wir ein Stück als Griff stehen. So, wie hier (Link) wird die Rinde in warmem Wasser entfernt, bis nur noch das hölzerne Gerüst übrig bleibt. Oft ist die Wölbung dieser Spindel zu groß für eine flache Schale. Das macht aber nichts, denn wenn man sie 30 Minuten in warmes Wasser taucht, bleibt sie in der Form, in der man sie fixiert hat. Wir haben einfach eine Hantelscheibe draufgelegt und es blieb so, ohne dass wir das Trocknen abwarten mussten.

Ist die gewünschte Form festgelegt, sägt man sich dicke Äste vom restlichen Tannenbaum ab. Und zwar so, dass sie als Zwischenstreben zwischen die einzelnen Äste passen. Sie werden dann an beiden Enden gebohrt und mit einem Faden befestigt. So wie im Bild oder anders. Der Vorteil unserer Methode ist, dass der dazwischen geknotete Faden die Einzelteile festklemmt. Wir fixieren das aber noch nicht unverrückbar, denn es kann sein, dass wenn das Flechtwerk drauf ist unterschiedliche Abstände zum Rand entstehen. Bis dahin sollten die Streben also verrückbar bleiben.

DIY. Die Technik eine Schale zu flechten.

altVerstärkungsstrebenBild Spindel eines Weihnachsbaumes Flechttechnik

Nun geht es an das Flechtwerk. Die Art des Seiles ist ziemlich egal, das kann auch ein Kokosstrick oder auch Wolle sein. Zu beachten ist jedoch; je dünner das Seil, desto öfter muss man es wickeln. Und das ist auf die Dauer recht mühselig. Es gibt nämlich nur eine Möglichkeit eine gerade Anzahl von Ästen mit einer gleichmäßigen Fläche zu überziehen. Denn bei drüber-und-drunter kommt man nach einem Umlauf wieder an einer Strebe an, die die selbe Orientierung hat. Unser Modell hat 7 Streben, drüber-und-drunter funktioniert aber trotzdem nicht. Warum? Weil beim Überspannen von 3 Streben das Seil in der Luft hängt. Man muss also das gesamte Knäuel durch die Streben führen, denn nach Außen sperren ja die Stabilisations-Streben. Hat man die nicht, wird das Konstrukt zu biegsam und die Spannung beim Wickeln kann nicht gleichmäßig geschehen.

Selbst eine Obstschale flechten. Los geht's!

Wir beginnen innen und knoten UND leimen das Flechtseil an einer der Spindeln fest. Nun geht man zur nächsten Spindel, führt den Faden von oben einmal drum herum. (Siehe Foto). So geht das immer weiter, bis die ganze Fläche geschlossen ist. Dabei ist darauf zu achten, dass man immer die gleiche Spannung anlegt. Kleinere Ungenauigkeiten sind dabei nicht so schlimm, denn das schon angesprochene Geheimnis des Sisals ist folgendes; Wenn man ihn zum Schluss nass macht, kann man ihn zu einer geraden Fläche drücken. Das wissen wir auch erst, seit dieser Bastelanleitung.

Sisal-Schale selber machen. Wie die Enden enden.

Die letzten Wicklungen aller 7 Streben werden gut verleimt, damit sich nie wieder etwas löst. Jetzt werden die Zwischenstreben auf den richtigen Abstand geschoben und ebenfalls verleimt. Wir lassen dabei so viel Abstand zum inneren Flechtwerk, dass rundherum Griffe entstehen. Man sollte einen vollen Obstkorb ja auch wegstellen können, wenn man mal drunter wischen will. Nun werden die Streben ebenfalls umwickelt und auch zwischendurch immer mal wieder verleimt. Dort, wo sich Spindeln und Zwischenstreben treffen, bleiben dann noch unverkleidete Stellen, die man mit einem separaten Seilstück über Kreuz fädelt bis alles bedeckt ist. Fast fertig, aber etwas Entscheidendes fehlt noch- ein sicherer Standfuß !

Ein universeller Standfuß im Eigenbau.

Obstschale Sisal-Seil Theoretisch bräuchte man für unser Bastelergebnis gar keinen bauen, denn ein Großteil der Bevölkerung hat diese schon im Geschirrschrank stehen. Denn was passt immer unter eine halbrunde, sphärische Form? Jede runde Schüssel, die im Durchmesser etwas kleiner ist. Die Frage ist, ob's gut aussieht, weswegen wir nun die Komplettlösung anbieten. Man nehme einfach einen alten Blumentopf, einen Poppcorn-Eimer oder sonstwas, schneide ihn in geeigneter Höhe ab und umwickle ihn ebenfalls mit dem Sisal-Seil. Der Kern des Fußes sollte natürlich wasserfest sein, weswegen Pappe ausscheidet. So können man die Schale und Unterteil auch mal reinigen, wenn mal faules Obst dabei gewesen ist. Und man kann das Oberteil auch zu jeder gewünschten Seite neigen, was durchaus manchmal besser aussieht, als strikte Symmetrie.
Wenn Sie damit fertig sind, werden Sie sicherlich vier, fünf Stunden gebraucht haben. Was würde ich entgegnen, wenn mich jemand fragte, warum ich mir so eine Zeitverschwendung antue? Die Antwort wäre: "weil ich's mir leisten kann !"

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